Das Schweigen der Makler

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Das Leben an und für sich, Wohnungsgeschichten

Wohnungssuche – es gibt wenige Menschen, die bei diesem Stichwort in Jubelstürme ausbrechen oder Vorfreude empfinden: wer hat schon Lust auf Umzug, zerbrochene Teller, dank ausgeleierter Scharniere nicht wiederaufbaufähige IKEA-Möbel oder gar die Renovierung einer Wohnung? Klar – das kann man alles „outsourcen“ und „subkontrakten“, dann wird es angehmer.

So wie das eigentlich auch mal mit dem Berufsstand der Makler gedacht war: der Makler kriegt Geld und besorgt einem dafür eine Wohnung. Irgendwie ist in dem Metier allerdings der Wurm drin.

Meine Frau und ich suchen nämlich seit einiger Zeit eine Wohnung, und uns beschleicht ein Verdacht: es ist was faul im Staate Maklistan. Selbst so konservative und traditionell Makler-freundliche Blätter wie die Welt haben es mittlerweile kapiert: es stimmt was nicht mit den deutschen Maklern:Hohe Courtagen, schlechter Ruf, geringe Leistung – ja, verglichen mit ihren internationalen Kollegen muß man sagen: sie sind teuer und faul. Das Problem sind nicht nur die unterirdisch lieblos gestalteten Angebote oder die oft lächerliche Bebilderung der inserierten Immobilien, nicht die Orthographie („Schmückstück“ im Nordend), kreative Lowlights („Wohnträume werden wahr“) oder offensive Volksverdummung („Wohnen im Herzen von (insert ödes Neubaugebiet hier)“).

Nein, das Hauptproblem ist: die melden sich nicht. Seit Monaten stöbern wir auf den einschlägigen Wohnungsportalen herum und senden Anfragen an Makler. Antwort: nichts. Nada. Noppes. (Ich dramatisiere natürlich: 10% melden sich dann doch irgendwann.)

Wohlgemerkt: es geht nicht darum, dass man einen Makleranruf oder eine Mail aus Textbausteinen bekommt, aus der hervorgeht, dass die Wunschwohnung schon weg ist – das verstehe ich  in einem urbanen Gebiet, in dem  hohe Nachfrage herrscht (Frankfurt in meinem Fall) durchaus. Sondern es geht um Zero Response, um Nachrichten auf ABs, die nie abgehört werden, um ignorierte Emails.

Klar: strukturell haben Makler wenig Interesse daran, ein gutes Image aufzubauen oder auf Kundenzufriedenheit hinzuarbeiten. Schließlich sehen die meisten Menschen „ihren“ Makler nur einmal im Leben (Gott sei Dank.) Nachhaltige Imageentwicklung? Braucht der Makler nicht. Da das Image des Berufstands ohnehin auf breiter Front ruiniert ist, lohnt es sich sogar noch weniger sein Image aufzupolieren, da man weder einem Makler noch einem Politiker abnehmen würde, dass es ihm wirklich und authentisch um das Wohl des Kunden geht, im Gegensatz zu seinen verlotterten Kollegen.

Warum sind gerade die deutschen Makler so überproportional schlecht? Mangelnde Ausbildung, wie die Welt nahelegt? Muß man Jura studieren, um Makler zu werden? Ich weiß nicht: normalerweise belebt Konkurrenz ja eher das Geschäft. Warum soll ein Frankfurter Oligopol aus juristisch gebildeten Maklern freundlicher zu mir sein? Viel wichtiger finde ich die Weigerung des Gesetzgebers, die Courtagen zu deckeln – vor allem beim Immobilienkauf und -Verkauf. Das läuft in großen Ballungsräumen auf so was von leicht verdientes Geld bei Immobiliendeals hinaus, daß Krethi und Plethi mitmischen wollen – und keiner mehr Lust hat, sich im langweiligen, auf 2MM Courtage begrenzten Mietgeschäft groß zu engagieren oder gar mit potentiellen Interessenten zu kommunizieren. Staatsversagen? Großes Wort, aber überraschend oft angemessen – so auch hier: Maklerregulierung, aber bitte pronto!!!

  • Daniel

    Ich bin hier gelandet, weil ich ebenfalls im Raum Frankfurt ne Whg suche und das gleiche erlebe. Man fragt auf Portalen ein brandneues Inserat an und erhält keinerlei Nachricht. Die Wohnungen selbst sind dann oft noch Wochen inseriert. Ich kann mir durchaus eine Whg leisten und meinem Namen und meiner Telefonnumer sieht man meinen Kontostand ja sowieso nicht an, also: Was ist da faul? Woran liegt das, ich verstehs nicht…

    Ich habe auch keinen Bock solch einem Makler dann noch ewig hinterherzutelefonieren um ihm dann im schlimmsten bzw besten Fall noch fürs Wohnung aufschließen 2,5 Kaltmieten zu überweisen. Er sollte doch dem Kundenhinterher sein…

  • Ich habe das Phänomen bis heute auch nicht verstanden. Ist für mich ein Indiz für Marktversagen: wenn die Servicequalität und der Ruf des Maklers 100% egal sind, weil er die Wohnung schon an irgendwen vermitteln kann – dann ist was faul im Staate Dänemark.
    Mein Rat: wer immer kann und von außerhalb nach FFM zieht, sollte erst mal in ein möbliertes Appartment ziehen, und sich dann im Kollegenkreis umhören, ob nicht irgendwo eine Wohnung ohne Makler frei wird…

  • Olaf

    Das liegt unteranderem daran, dass viele Makler das Konzept des Service
    Marketings nicht verstehen und kennen. Service Marketing unterscheidet Sich
    erheblich vom Produktmarketing und konzentriert sich sehr auf die Erfüllung des
    Services, die darin involvierten Menschen, und letztendlich die
    Kundenzufriedenheit, die auch bei einem „One-Time Contact“ wie oft im
    Falle eines Maklers von großer Wichtigkeit ist. Ein sich nicht meldender
    Makler, hat es nicht verstanden, dass Sie der potentielle Kunde sind, und auch
    wenn Sie noch keine Zahlung geleistet haben, er schon in „Vorlage“
    für Sie gehen sollte. Ihr Potential und Kapital liegt in Ihrer Zufriedenheit,
    und Ihren wohlwollenden Worten gegenüber Ihrem Netzwerk in Bezug auf die Arbeit
    des Maklers. Ich empfehle daher jedem Kunden, gute, sowie schlechte Erfahrungen
    in diversen Internetportalen kund zu machen. Evtl., sollten einschlägige Immobilienportale
    darüber nachdenken, solche Review-Seiten zu einem Teil ihres Services zu
    machen.
    Wenn alle dies Täten (was in Deutschland leider immer noch zu wenig praktiziert
    wird), regelt sich das mit den Maklern von selbst.

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