Die alltägliche Verstrahlung

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Im Gelben Forum wurde dieser Arte-Beitrag bereits empfohlen. Der Film ist ein echter Augenöffner, daher auch von mir „Daumen hoch“.

Das Schöne an dem Film, der einen Blick hinter die Kulissen des französischen Atomstroms wirft: hier reden keine Risikomathematiker oder Technikexperten. Nein, die Reporter heften sich einfach nach guter alter Feldforschersitte den Beschäftigten in französischen Meilern auf die Fersen. Und wir lernen, dass so solide und honorige Unternehmen wie EdF (und sicher auch E.on, RWE und EnBW), denen man ja immer ein Mindestmaß an Kompetenz und zentraler, qualitativ hochwertiger Steuerung unterstellt, mittlerweile aus Dutzenden von Subunternehmen bestehen, die wiederum Subunternehmer beschäftigen, die wiederum… und das nicht nur auf dem Level von Überlandleitungen oder Steckdosen, sondern auch im AKW.

Jeder Bauherr weiß, dass eine Subunternehmerkaskade Risiken birgt, weil das Qualifikationsniveau aller Beteiligten unklar ist und die Koordination schnell mangelhaft wird. Für die Atomindustrie ist diese Art zu arbeiten, diese rein auf niedrige Kosten schielende Outsourcing-Denke ein klares No-Go. Nicht nur aus abstrakten Risiko-Überlegungen heraus; wenn man einige der Befragten über ihre Krebserkrankungen und Verstrahlungsunfälle reden hört, muß man sagen: der GAU ist schon da, und zwar jeden Tag. Und wir brauchen dringend einen derartigen Film über die deutsche AKW-Industrie.