Hätte eine Fokusgruppe Apples „1984“ radikal abgeschossen?

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Ein lustiges Video, das (schlecht gemachte) qualitative Forschung auf die Schippe nimmt.

Warum „schlecht gemachte“ Forschung? Vor allem, weil im sogenannten „topline report“ am Ende des clips ganz naiv, 1:1 „reported“ wird, was die Teilnehmer gesagt haben. Der reinste Dadaismus: der Verfasser des reports hat offensichtlich höchstens 5 Minuten über den Report nachgedacht und reicht selbst den größten Nonsense der Teilnehmer ungefiltert an die Werbeagentur weiter.

Als deutscher Marktforscher (Deutschland hier mal als Synonym für Gründlichkeit und Analytik verstanden) schüttelt man zunächst nur erheitert den Kopf. Aber dann fühlt man sich auf den 2. Blick doch an den einen oder anderen Report erinnert, der einem von transatlantischen Kollegen zugespielt wurde – der von Verbatims nur so strotzte, aber keinerlei eigene Stellungnahme, keine Gewichtung und kein Nachdenken enthielt.

Werden focus groups „drüben“ wirklich so anders genutzt, als reine „verbatim“-Baustellen? Das mag schon sein, wenn man diesen Herren hier anhört, der als besondere Glanzleistung seines Unternehmens herausstreicht, dass „not just verbatims“ geliefert werden. Das nennt man dann halt Nachdenken, aber wahrscheinlich kostet das extra.

Wie Rosie Campbell (in Are We Confusing New QualData Sources with Analysis?) treffend bemerkte:

We fail to ‚own‘ or even admit to the notion that it is our experienced, psychologically-tuned brain that has reached conclusions (….) because we mistakenly think it goes against the tide of so-called co-creation or transparency.