„Volksdroge Zucker“ – der Stern bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm

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By Pallbo via Wikimedia Commons

Seit langem habe ich mir eben mal wieder den Stern gekauft. Warum? Klar, interessantes Titelthema: „Volksdroge Zucker – wie uns die Industrie süchtig und krank macht“ las ich dort und dachte, hm, interessant: schwenkt das Pendel vom Fetthaß nun wieder langsam zur Zuckerverteufelung? Ich war neugierig, wie der Stern über den Zucker berichten würde – zumal ich selbst seit über einem Jahr low carb esse und mir wünschen würde, etwas mehr Unterstützung durch die öffentliche Meinung oder zumindest die veröffentlichte Meinung zu erhalten. Und der Stern rangiert in meiner Wahrnehmung, was Seriösität angeht, doch noch deutlich vor dem Focus. Also her mit dem Heft.

Um es kurz zu machen: drei Autorinnen, oberflächliche Recherche, kann man alles in 10 Minuten so auch im Internet lesen. Richtig vom Stuhl gehauen (vor Lachen) hat mich v.a. der Hinweis, man solle doch statt traubenzuckerhaltigem Müsliriegel einfach eine Banane essen. Ja, richtig gelesen: eine Banane. Nun hat eine Banane allerdings 18% Zuckergehalt. Klar, das ist kein „Industriezucker“, aber come on: Zucker = Insulinausschüttung = Fettanlagerung. So einfach ist das. Aber so ist halt der Stern: „was am Baum wächst muß gut sein“. Einfache Weltbilder sind was Feines.

Ansonsten – über Lacher hinaus – ist aus dem Artikel wenig zu ziehen. Neue Infos: nö. dass Nutella und Milchschnitte überwiegend aus Zucker bestehen sollte mittlerweile bekannt sein. Strategien, wie man dauerhaft weniger Zucker essen kann: Fehlanzeige. Stattdessen werden „Erfahrungsberichte“ von Menschen aufgeführt, die tatsächlich mal 2 Monate lang keinen Zucker gegessen haben. Wow, das geht?! Wissenschaftliche Highlights: sorry. Die Autorinnen sind jedenfalls stolz wie Bolle auf ihr Info-Bit, dass der Körper Glucose braucht, diese aber auch aus anderen Kohlenhydraten herstellen kann. Nee, echt? Ihr Autorinnen vom Stern: der Körper kann Glucose sogar aus Eiweiß herstellen! Ja, ehrlich, ich würde Euch doch nicht anlügen! Und noch was: der Körper braucht überhaupt keine Glucose. sondern kann rein von Fett leben. Yup. Für diese uralten Infos braucht man allerdings kein Autorenteam auf Recherchetour zu schicken, man muß nur Gary Taubes hervorragendes Buch „Good Calories, Bad Calories“ lesen. Das kostet gebraucht nur unwesentlich mehr als der Stern.

 

7 Gedanken zu „„Volksdroge Zucker“ – der Stern bekleckert sich nicht gerade mit Ruhm

  1. Banane raffinierter Zucker
    GI 60 GI 72
    GL13! GL72
    Es macht also sehr wohl einen Unterschied, ob man mit Bananen süßt oder mit Zucker. Die Glykämische Last darf ist ebenfalls zu beachten. Der GI ist dazu auch etwas besser.

  2. Ja, das stimmt schon – Speiseeis ist beispielsweise auch „besser“ als raffinierter Zucker, wenn man diese Maße (GI, GL) zugrundelegt. Dennoch sind meiner Meinung nach weder Bananen noch Eis der beste Weg, sich von der Volksdroge Zucker zu lösen – ich kenne viele Leute, die nicht richtig abnehmen, „obwohl ich doch nur Naturjoghurt (=Lactose) und Bananen esse und keine Milchschnitte.“ Irgendwie haben Bananen in Deutschland einen Heiligenschein – kann auch daran liegen, dass die lange ziemlich teuer waren…

  3. Gast 2
    der Stern hat zufälligerweise eine Doppelseite auf der Internetseite herausgenommen. Da sind alle Firmen aufgelistet von welchen nichts gekauft werden sollte. Tiere fressen artgerecht was der Mensch noch nicht gelernt hat. Es gibt wenige Völker die gesund alt werden allein dadurch, dass sie von dem leben was die Natur herstellt. Fruchtzucker ist nicht dasselbe wie Industriezucker. Logischerweise müsten wir Zuckerrüber essen. Schon die alten Griechen wussten, dass das Ganze mehr ist als seine Einzelteile. Ein gutes Beispiel sind auch Medikamente deren Wechselwirkungen so gut wie nicht erforscht werden weil man das bei den Konzernen nicht wissen will. Man kann von Affen und Ratten nicht auf den Menschen schliessen. Schlussendlich ist der Mensch das Versuchskaninchen. Seriöse Forschung gibt es nur wenig. Nicht nur die Industrie- Zucker ist ein Problem sondern alles andere was die Konzerne verwenden.
    Hinzu kommen mit Pestiziden versaute Böden Hormone und Antibiotika im Fleisch. Wer jahrzehntelang so lebt hat die üblichen Alterskrankheiten. Solange man im Westen nicht auf asiatische Ernährung mit dem Wok umsteigt und auf den Conviencefrass und die modernen Takeaways verzichtet so wird die dicke Gesellschaft zunehmen.
    DVD’s unser täglich Gift, Monsanto, blaues Gold sollten im TV um 20 Uhr solange bis die Leute es begriffen haben. Man kann dem Konsumenten mit genug Werbung jeden Mist verkaufen wie Haribo, Chemieeiscreme usw.
    Zucker ist eine Sucht die schon bei Kindern anfängt. Esst süsse Früchte statt den Industriefrass da kann man nicht viel falsch machen. Statt Pizza Gerteide wie Vollreis, Gerste, Mais alles Genfrei.
    Die Industrie ist nur an Maximalrenditen, Kartellen und Monopolen interessiert.
    Es ist ein Wunder das der Stern diesen Artikel gedruckt weil unabhängige Medien wegen den Werbegeldern zu 90 % eine Illusion sind.

  4.  Hallo Gast2, danke für den Kommentar!
    Stimmt, in der industriellen Nahrungsmittelproduktion ist der Wurm drin. Allerdings bin ich überzeugt, dass auch reine Obstesser ein höheres Diabetesrisiko haben als Menschen, die eher Proteine und  Fette zu sich nehmen. UNd ich bin mir nicht ganz sicher, ob und wie man die gesamte Weltnahrungsproduktion auf Bio umstellen kann…

    Im „Economist“ war letztens ein interessanter Artikel: in dem stand, dass Fettleibigkeit und Unterernähung Hand in Hand gehen (zB in Indien.) Die Leute essen zu viel kalorienhaltige Zucker-Fett-Bomben, und kriegen andererseits zu wenig Mineralien und Nährstoffe… ein Desaster.

    Viele Grüße
    Helge Carstens

  5. es ist eigentlich ganz einfach diejenigen im durchschnitt über 100 jahre alt werden leben gesünder als wir. wüssten wir alles über ernährung so würden wir problemlos 200 bis 300 jahre alt werden. die erde ist schon jetzt überbevölkert. es gibt an vielen orten zu wenig trinkwasser aber einen geburtenüberschuss.
    würde man die moderne flischfresserei um 90 % reduzieren so würde auch jetzt niemand hungern. die tatsachen sind unbequem. verantwortung muss bei jedem einzeln beginnen und an den volksschulen. es kann nicht sein, dass ganze herrscharen von jugendlichen nur von mc donalds leben.
    gelingt es nicht den geburtenüberschuss in kürze zu beenden, so wird die menschhheit noch in diesem jahrhundert in umweltkatstrophen und bürgerkriegen wegen den unbegrenzten
    einwanderung von wirtschaftsflüchlingen nach europa enden.
    es ist eine simple logik, dass es kein wachstum mehr in europa geben kann. nur so lässt sich der energieverbrauch drosseln, die umwelt- und verkehrsprobleme lösen. die BRD hat helle köpfe leider werden diese nicht in TV-sendungen eingeladen.
    literatur:  keine macht den doofen, …und erlöse uns vom wachstum  , infos   http://www.foodwatch.de

  6. Pingback: blue ofica

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