Meine ganz persönlichen Top 4 Investmentfehler

Veröffentlicht am Veröffentlicht in Das Leben an und für sich

Ein Eintrag nach dem Motto: „des einen Leid, des anderen Freud“. Demnächst vielleicht fortgesetzt mit „meine Top 10 Fehlkäufe generell“, wobei ich aus dem Thema Fehlkäufe locker auch eine Top 100 machen könnte. Aber zunächst zum Thema Geldanlage, Aktien und Börse, und was man so alles falsch machen kann, wenn man enthusiastisch, aber ahnungslos an die Aufgabe herangeht. Für eine ordentliche Top 10 Liste reicht es nicht: bei manchen Investments muss sich erst noch rausstellen, ob es ein Top oder Flop ist, und manche grottenschlechten Investments sind einfach nur olle Kamellen. (Wer unter uns in der Dotcombubble nicht sein Sparbuch aufgelöst hat und in Telekomaktien gesteckt hat, der werfe den ersten Stein.)

#4 Turbo- und Knockoutzertifikate. Sportlich, modern und dynamisch klingende Zertifikate, die jede Kursbewegung eines Basiswertes (z.B. einer Aktie) hebeln bzw um bestimmte Faktoren verstärken. „Knockouts“ sind die verschärfte Variante: sie verfallen wertlos, wenn der Basiswert einen bestimmten Wert unterschreitet, hebeln Gewinne aber meist noch rasanter. So weit die Verheißung. Wie ich feststellen musste: Man macht sich im Vorfeld des Kaufes überhaupt keine Vorstellungen davon, wie sehr diese Zertifikate die Schlafqualität negativ beeinflussen (zumal wenn man aus einer Sparbuchkultur stammt.) In den meisten Fällen hat man ja – wenn man ehrlich zu sich ist – keine Ahnung, wie sich der Basiswert bewegt; es ist Glücksspiel mit heftiger Unsicherheit. Und diese Unsicherheit wird dann auch noch gehebelt und verstärkt. Sitzt der normale Aktionär beispielsweise auf 5% Kursverlust bei VW, hat der sportliche Turbo-Käufer leicht 25% angehäuft. Wie die psychologische Forschung zeigt, neigt man dazu, solch drastische Verluste auszublenden anstatt das Zertifikat im Minus stehend zu verkaufen. Verfällt so ein Zertifikat nach einer mehr oder weniger ausgeprägten Verdrängungsphase dann wertlos, löst sich fast so etwas wie ein Albdruck auf – man ist froh, dass es endlich vorbei ist mit diesem Teufelszertifikat, und der Markt es zur Strecke gebracht hat.

#3 Hedgefonds-Dachzertifikate. Hedgefonds verlangen gerne saftige Performancegebühren in Höhe von 25 oder auch 50%. Das ist allgemein bekannt und wird gerne im Zusammenhang mit Bildern von Cohiba-rauchenden Hedgefondsmanagern kolportiert. Was passiert, wenn man mehrere dieser Fonds bündelt, und über diese Bündelung („Portfolio“, „Korb“) wiederum ein hochbezahlter Hedgefondsmanager wacht, der auch seine 25 oder auch 50% haben will? Genau: selbst wenn’s in der Hedgefondswelt saftig nach oben geht wie beim gehenden Hefeteig, bleiben für den Anleger nur Krümel, derweil die Manager sich mit Champagner und Heli in die Hamptons ausfliegen lassen. Warum mir das nicht klar war? Keine Ahnung. Ich glaube seitdem fest an eine gewisse Basisdemenz im Menschen, die sich bereits kurz nach der Geburt entfaltet und bemerkbar macht.

#2 Index-Fonds bzw. ETFs. Niemand bezahlt gerne Performance- oder Verwaltungsgebühren. Erst recht wenn herauskommt, dass der durchschnittliche Fondsmanager, den man eigentlich für seine „Aktien-Picking“-Kompetenz bezahlt, im Grunde nur die Füße hochlegt und ängstlich genau die Aktien in seinen Fonds aufnimmt, die eh schon im Vergleichsindex stecken. Warum also nicht mit sogenannten „ETFS“ (exchange traded funds, die einen Index abbilden) einfach „direkt den Index kaufen“ und den Faulenzer auf die Straße setzen? You know, cut out the middle man? Gute Story! Aber man mache sich nichts vor – damit wandern die lästigen, ekligen Investmententscheidungen nur zum eigenen, uninformierten und ahnungslosen Selbst: welchen Index soll ich denn eigentlich kaufen? Dax, Dow, Nikkei, Nifty 50, Russell 50000 – Asien, Europa, USA, BRIC, Next 11? Oder einen der 3000 anderen? Und warum soll man überhaupt einen Index kaufen, wenn man doch eigentlich die „besten“ Aktien aus dem Index will – schon mal gesehen, was sich da so an Einzelwerten im Index tummelt? Warum sollte man sich mit dem DAX eine Aktie der Commerzbank ins Depot legen, nur damit man sagen kann, man habe „den DAX gekauft“? Kurzum: toll, dass man keinen Fondsmanager mehr bezahlt – dafür trifft man alle Fehlentscheidungen eben selbst.

#1 Auf Turnaround-Stories setzen. Okay, ich sehe es ein: es gibt Stories wie die von Apple. Oder von IBM – Firmen, die sich immer wieder neu erfinden und vom Esel zum Rennpferd mutieren. Nur: im Allgemeinen klappt das nicht. Im Allgemeinen wirkt die Firmenkultur, die ein Unternehmen über lange Jahre zugrundegerichtet hat, munter weiter, auch wenn von Seiten des Managements dauernd neue Strategien und 10-Jahres-Pläne verkündet werden, und der Aktienkurs purzelt weiter. Konnte ich erst neulich wieder am Beispiel Nokia schmerzlich nachvollziehen: im Vorfeld der Pressekonferenz, auf der die Allianz mit Microsoft verkündet werden sollte, kaufte ich ein Papier vom Schlage #4. Ich dachte: „wow, die müssen richtig was in petto haben, was den Markt überzeugt, dass im lahmen Gaul Nokia noch Kraft steckt.“ Pech gehabt, seitdem ist die Aktie um 40% gefallen, und wie auch die Aktie der „ge-relaunchten“ Commerzbank eilt sie ihrem fairen Wert entgegen: Null Euro.

Schlauer fühle ich mich übrigens immer noch nicht. Viel eher erhärtet sich mein Eindruck, dass alles, was man als Hobbyinvestor an „goldenen Regeln“ so im Kopf hat, nur unhinterfragter Schmu ist. Die nächste unangenehme Überraschung lauert bereits in einigen offenen Immobilienfonds, die vielleicht mit horrenden Verlusten abgewickelt werden werden – aber erst 2012. Bis dahin bleibt’s bei den Top 4 statt Top 5.

  • Tomasz

    Hm, kam mir irgendwie nie in den Sinn, Aktien o. ä. zu kaufen.
    Wenn man sieht, mit welch enormen Ressourcen große
    Fonds den Markt beobachten, um die Nase vorn zu haben, dann scheint für Privatinvestoren selbst die ausgiebigste Lektüre des Wirtschaftsteils nicht viel zu bringen. Und sogar Warren Buffett hat, glaube ich, in den letzten Jahren seine Zugewinne nicht durch Aktien erzielt, sondern dadurch, dass er notleidenden Banken zu Traumkonditionen Geld geliehen hat.  
    Aber wer weiß: das Blatt kann sich natürlich auch wenden, und dann seine
    Anlage wachsen zu sehen, dat muss ne schöne Sache sein.

  • Ich würde auch am liebsten Unternehmenshälften oder -Viertel kaufen oder verkaufen; aber bis ich das Spielgeld habe, muss es erstmal ne poplige Aktie tun. Am besten kennt man sich ja in der eigenen Branche aus, aber in der Mafo zu arbeiten und dann noch gfk-Aktien zu kaufen nennt man neudeutsch „Klumpenrisiko“ 🙂 Grüsse aus Prag

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