Eifelsteig Reloaded

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11% nach 20kmNachdem der erste Versuch den Eifelsteig zu bezwingen von einem Norovirus vereitelt wurde, haben Boris und ich letzte Woche einen neuen Anlauf unternommen, die verbliebenen Etappen von Manderscheid nach Trier zu wandern (knapp 110 km). Diesmal waren die Herausforderungen anderer Natur: metereologischer statt viraler Natur. Denn die Eifel steht ja nicht ganz zu Unrecht für Aprilwetter 24/7/365. Die ersten beiden Tage herrschten lockere 30 Grad. Was bedeutete, zusätzlich zu den 6 Kilo Rucksack, Klamotten und Essen auch noch schlanke 3-4 Liter (Kilo) Wasser mit sich herumzuschleppen und dementsprechend zu schwitzen. An Begegnungen mit Wild war nicht zu denken, wahrscheinlich roch uns der ganze Wald schon 10 km gegen den Wind. Am dritten Tag dann Wolkenbrüche, die sich gewaschen haben, und die letzten beiden Tage ein kreativer Mischmasch aus Hitze und Wolkenbrüchen, der uns öfter hektisch gen Himmel blickend im Wald die Klamotten wechseln ließ. Aber wer ein echter Wanderer sein will, sollte über das Wetter nicht klagen, und so bleibt festzuhalten: der Eifelsteig ist (wetterunabhägig) ganz o.k., ein zweites Mal müsste man ihn aber nicht ansteuern. Warum?

Am Schwierigkeitsgrad liegt es nicht, der ist für mäßig trainierte Bier- und Weintrinker wie uns noch gerade eben tolerabel und führt nach 5 Tagen Wanderung sogar zu einem leichten Plus an Kondition. Die Etappen liegen irgendwo zwischen 20 und 25 Kilometern und versammeln lange Märsche in der EbIdylle pur bei 30 Gradene ebenso wie Achillessehnen-mordende Anstiege und Kniegelenk-berstende Abstiege. Das macht schon Spaß, ohne dass man masochistisch veranlagt sein müsste. Leider gibt es auf dem Weg (ich spreche für die 7 Etappen von Gerolstein nach Trier) einfach zu viele Kilometer auf tristem, „flurbereinigten“ Forstwirtschaftsweg; zwar auch tolle Wanderungen entlang leise murmelnder Flüsse wie der Salm, aber eben doch etwas viel Monotonie.

Hinzu kommt, dass man in der Eifel touristisch nicht gerade verwöhnt wird. Klar, als echter Backpacker sollte man keine zu harten Kriterien an den Unterhaltungs- und Versorgungswert einer Region anlegen – aber 40 oder auch mal 50 Kilometer zu wandern, ohne frisches Wasser kaufen zu können, das nervt dann doch sehr. Wenn dann auch noch Ende Juni viele Restaurants gleich mal 2 oder 3 Ruhetage einlegen (die ganz zufällig auf die eigenen Wandertage fallen) ist man nicht weit weg vom berühtem „Hungerast“, der immer wieder Tour-de-France-Radler am Ende anstrengender Bergetappen hinwegrafft.

Bei aller Kritik: der Eifelbewohner an sich ist sehr offen und gesprächig, was einen in Anbetracht der Kargheit und Leere der Eifel doch überrascht. Man fühlt sich immer willkommen, und wenn man den Dackelblick aufsetzt, dann öffnet sogar ein an sich geschlossenes Restaurant für 2 Stunden und 2 Steaks die Pforten (ein Dank an Mary im Dorf „Bruch“ ist an dieser Stelle angebracht.) Da verzeiht man es auch, wenn der Rauhhaardackel der Pensionsdame doch tatsächlich „Adolf“ heisst (Frau H.: da gibt es heutzutage doch wirklich unverfänglichere Hundenamen. Tststs.)

Angenehm überrascht war ich auch von der ersten Übernachtung in der Abtei Himmerod: die dortigen Zisterzienser sind sehr gastfreundlich, brauen ein hervorragendes Bier und unterhalten einen (Schweige-Kodex des Benedikt hin oder her) am Frühstückstisch mit Anekdoten, wie z.B., dass der Opa des Himmerod-Dudeldorfschen Dorfbäckers, in dessen Brötchen man gerade genußvoll beißt, früher der Kammerdiener (!) des Abts gewesen sei. Trockener Kommentar von Gastbruder Oliver: „Bei der Auslegung der Bibel war man eben schon immer flexibel.“ Da wundert es nicht, wenn einem abends auf den Fluren der Abtei Zisterzienser begegnen, die DHL-Express-Pakete mit sich herumschleppen: so viel Weltlichkeit muss sein.