„Schulden“ raus aus der Sippenhaft!

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Da heute morgen die FAZ nicht im Briefkasten lag (ist der Austräger etwa Mitglied der Piratenpartei?), hatte ich genügend Zeit, in Ruhe über einige Wirtschaftsblogs zu surfen, etwa bei Paul Krugman und voxeu.org. Momentan scheint es ja nur ein Thema zu geben: DIE öffentlichen Schulden, und wie unerträglich hoch sie sind. „Wie sollen unsere Kinder die nur jemals abbezahlen?“

Ich bin etwas perplex, wie wenig differenziert die Debatte ist, ob „DIE Schulden“ nun gut oder schlecht sind. Denn es gilt ja für alle Schulden: es gibt solide Schulden und spekulative Schulden. Idealerweise sollte es auf der Welt mehr solide Schulden geben. Fallbeispiel: man nimmt einen Kredit auf, um ein Geschäft zu eröffnen, das dann 10% Rendite pro Jahr einfährt. Oder man renoviert die Schule, damit auch morgen noch deutsche Schüler im PISA-Ranking gut abschneiden. In diesen Fällen verschuldet man sich aus gutem Grund. Hier zu sparen ist einfach sinnlos und heißt nur, dass man in der Zukunft deutlich weniger Wohlstand erlebt als ohne Verschuldung. Und man braucht diese Schulden übrigens auch nicht abzubezahlen, solange man nur immer weiter in sinnvolle, aka „renditeträchtige“ Sachen investiert (so viel zu „wie sollen unsere Kinder das nur bezahlen.“)

Leider haben die schwarzen Schafe unter den Schulden, die spekulativen Schulden (= z.B. Anlagekredite, mit denen man auf Wertsteigerung amerikanischer Häuser oder nigerianischer Aktienpakete setzen kann), den Ruf der ganzen Familie ruiniert: „Schulden“ stecken in Sippenhaft, sind „igitt und bäh“. Aber so kann es doch nicht weitergehen! Wollen wir jetzt den Staat verarmen und ausbluten lassen, wollen wir sinnvolle Businesspläne nicht mehr finanzieren, nur weil Krethi und Plethi nicht wahrhaben wollen, dass es „sinnvolle“ Schulden gibt? Das meint übrigens auch Paul Krugman, der die ganze Sinn-von-Schulden-Debatte mittlerweile (s.u.) auch ziemlich leid ist.