The chain remains – die Schulden haben wir an der Backe

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Mein Gott, wie mich die FAZ ärgert. Es vergeht kein Tag, an dem nicht kübelweise Häme über Griechenland und Co ausgeschüttet wird, und an dem euphorisch jede noch so dämliche Schuldenbremse bejubelt wird („Zapateros größtes Abschiedsgeschenk für Spanien“ laut Faz am Sonntag ist z.B. eine solche Schuldenbremse.) Man merkt: die FAZ will, dass Deutschland rausgeht aus dem Euro, soll der Rest Europas doch sehen, wie er mit „seinen“ Schulden klarkommt.

Dahinter steckt die Vorstellung, dass es in Zeiten der Globalisierung noch so etwas wie „meine“ und „deine“ Schulden gibt. Sorry FAZ, die Schulden sind in einer globalen Welt immer „unsere“. Die Schweizer zeigen das gerade aufs Feinste: ich bin der Schweizer Nationalbank sehr dankbar für Ihre Entscheidung, den Franken abzuwerten, indem sie Staatsanleihen aus dem Euro-Raum kauft. Denn damit zeigen sie uns sehr schön, dass man zwar eine „unabhängige“ Währung haben kann, sich aber letztlich doch „ausländische Schulden“ ins Land holen muss. Wie sähe das im Fall Deutschlands aus? Spielen wir’s mal durch:

1. ) Szenario: Der Euro ist Geschichte. Die FAZ und der Michel freuen sich. „Endlich sind wir die faulen Griechen, Italiener (enter Club Med country here) los. Sollen die doch sehen wo sie mit Ihren Schulden bleiben!“ Endlich haben wir wieder eine harte Währung und ein gutes, warmes Gefühl im Zahlungsverkehr. (So haben sich die Schweizer mit ihrem Franken vielleicht Ende 2010 noch gefühlt. „Ach was sind wir doch ein sicherer Hafen! Kann ich ihnen aus dem Mantel helfen, Herr Gaddafi?“)

2.) Der Michel wundert sich, dass die D-Mark 2.0 so aufwertet, weil alle die dolle harte D-Mark 2.0 kaufen wollen – und die deutschen Maschinen im Ausland einfach zu teuer werden. „Oje oje, unsere heilige Kuh, die Exportwirtschaft schwächelt!“ (= der Schweizer, so Mitte 2011, als der Verkauf von Vitra-Stühlen, Nescafe und USM-Büromöbeln drastisch einbricht.)

3.) Der Michel beschreitet den Schweizer Weg: die D-Mark muss geschwächt werden, damit der Export wieder brummt. Wie macht man das? Indem man Währungen der Länder aufkauft, in die man exportieren möchte, und diese Währungen damit stärkt. Also Yuan und Dollar sowieso, aber auch Drachme 2.0, Franc 2.0, Lira 2.0… Wie läuft so was konkret? Durch den Kauf ausländischer Staatsanleihen, wie die Schweizer gerade vorgemacht haben.

4.) Michel ist endgültig perplex: denn in den Staatsanleihen, die man gerade gekauft hat, stecken … Achtung! … genau: die Schulden, die man sich durchs Absprengen der D-Mark 2.0 von den ganzen weichen Club-Med-Währungen und Wirtscahftsräumen doch eigentlich vom Hals schaffen wollte.

Was hat man also zum Schluss in der Hand, als Deutscher mit D-Mark 2.0? Damit die Währung exportfähig bleibt hat man eine ganze Menge ausländischer Anlagen mit Ausfallrisiko an der Backe – sieht für mich jetzt nicht so wahnsinnig anders aus als der Status Quo. Also, wir können uns das ganze Theater mit „Euro-Ende“ sparen, als Urlauber weiter davon profitieren, dass wir unsere Croissants in Lyon in Euro bezahlen können und uns gleich eingestehen: die Schulden sind in der Welt, die kriegen wir nicht mehr los.

Die Frage ist jetzt nur noch, wer sie wann bezahlt. Reichensteuer anyone?

Tja: the chain remains. Dazu (passenderweise aus dem Album „Poverty’s Paradise“):

 

2 Gedanken zu „The chain remains – die Schulden haben wir an der Backe

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