Reminder: Europa war schon immer eine Unterstützungsgemeinschaft

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Walters Art Museum [Public domain, CC-BY-SA-3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0) or GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html)], via Wikimedia CommonsAngela Merkel möchte nicht für die disziplinlosen Südländer haften, „solange sie lebt“ (so jedenfalls noch vor dem EU-Gipfel). Damit hat sie im Blätterwald einen Aufschrei ausgelöst, dürfte den meisten Deutschen aber letztlich aus der Seele sprechen.

Ich frage mich: warum fällt den Deutschen erst 2012 auf, dass die EU in erster Linie ein Umverteilungsmechanismus ist – und dass das Friedensprojekt Europa v.a. auf wirtschaftliche Vernetzung und Angleichung der Lebensqualität setzte? Ich erinnere nur: Agrarpolitik. Strukturfonds. Butterberg! (Kennt den noch jemand?)

Schon immer wurden innerhalb Europas Milliarden Gulden, Francs, Pfund und Deutschmarks in strukturschwächere Regionen gepumpt (Ostdeutschland inklusive, durchaus aber auch mal Bayern). Konkret stecken im Strukturfonds mehr als 300 Milliarden Euro, und die Konvergenz der Lebensverhältnisse steht als Fonds-Ziel ganz oben.

Es geht die Angst um in Deutschland, das in die diversen Rettungsschirme und Rettungsfonds gesteckte Geld mehr oder weniger zu verpulvern. Aber warum? Die bisherige Umverteilung via EU bedeutete ja auch nicht, selbstlos „Geld zum Fenster hinauszuwerfen“, sondern schwächere Länder auf lange Sicht in wohlhabende Absatzmärkte für deutsche Exporteure zu verwandeln. Und das hat ja bisher auch gut geklappt. Insofern: cool bleiben bitte, Landsmänner und Landsfrauen, wenn wir jetzt noch etwas nachlegen müssen. Mit armen Spaniern, Portugiesen und Italienern macht man keine guten Geschäfte.

PS: Aktuell angesagt ist die „Vergebliche Liebesmüh-These“: „die schwachen Länder Europas sind einfach zu schwach im Vergleich zu den Leistungsträgern.“ Also nix wie raus aus dem Euro und bloß nichts in irgendwelche Fonds einzahlen! Gerade wieder Mr. Bosomworth, PIMCO-Manager via Zeit (Print): „Die 17 Länder Europas passen ökonomisch nicht zusammen.“ Empfehlung: einfach mal schauen, wie sich beispielsweise in puncto Wirtschaftskraft Alabama zu New Jersey verhält – und: schaffen sich die USA aufgrund dieser Divergenzen etwa selbst ab?