Was führen Männer im Schilde, die Elternzeit nehmen?

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Eine mir nahestehende Person, die anonym bleiben möchte, nennen wir sie doch mal für die Zwecke dieses Artikels „Sven“, hat gerade Elternzeit beantragt. Und zwar in größerem Umfang als die üblichen 2 Monate Elternzeit, die mittlerweile ein sattes Viertel aller Männer beantragen (wobei gänzlich unwissenschaftliche Beobachtungen im Bekanntenkreis ergeben, dass diese 2 Monate oft eher Urlaubscharakter annehmen). Sven will 6 Monate zuhause bleiben. Und danach 4 Tage die Woche arbeiten. See page for author [Public domain], via Wikimedia Commons

Während nun Frauen in schöner Regelmäßigkeit ähnliche Anträge auf Elternzeit stellen, und der Arbeitgeber dies achselzuckend (wenn auch nicht frohlockend) hinnimmt, war die Reaktion auf Sven in diesem Fall der Wunsch nach einer Aussprache, was er denn damit „meine“: „Wir müssen Dich jetzt aber schon fragen – wie meinst Du das, was heißt das für Deine Karriere? Planst Du etwa einen ‚career change‘?“

Sven war erstaunt: er wollte ja seine Karriere gar nicht „changen„, sondern einfach nur mehr für sein Kind da sein. Seine Firma interpretierte seinen Antrag aber nicht nur auf dieser „Sachebene“ (Achtung, 4-Seiten-Modell der Kommunikation), sondern meinte auch eine Beziehungsaussage oder eine Selbstaussage („Ich bin jetzt mit dem Kind auf einmal auch weniger motiviert in Eurer Firma zu arbeiten„) entdecken zu können und abklären zu müssen. Sven erschrak. Denn wer sagte, dass am Ende nicht jemand noch eine Appellebene („Entlasst mich dann doch einfach„) aus seinem Antrag herauslesen würde? Offensichtlich hatte in seiner Firma keiner diese Studien gelesen, die u.a. zu dem Schluss kamen:

Die Elterngeldphase erweist sich als eine der wenigen Gelegenheiten im Lebensverlauf von Männern auf ‚legitime Weise‘ die Vorrangigkeit der Erwerbsarbeit infrage zu stellen.

Soziologische Deutung des Ganzen? Intellektuell, ideell und beim unverbindlichen Smalltalk mit Freunden stehen für Gleichberechtigung alle Ampeln auf grün. Männer die sich in die Kindererziehung involvieren: super! In der Arbeitswelt, da wo die Ressourcen verplant werden müssen, ticken die Uhren immer noch konservativ. Da werden Männer immer noch mit der Erwartung eingestellt, dass sie diejenigen sind, die 50-60-Stunden-Wochen abreißen und immer verfügbar sind. Schwanger und weg vom Fenster: das sind die Frauen.

Vielleicht muss man das nicht Sexismus nennen, vielleicht sind es einfach die berühmten Umstände und Sachzwänge, die dazu führen, dass sich Männer rechtfertigen und erklären müssen, wenn sie mal richtig Elternzeit nehmen, und zwar auch vor rein weiblich besetzten Human Resources-Abteilungen. Vielleicht erschreckt an solchen Väteranträgen aber auch die Aussicht darauf, dass es („wenn das jeder machen würde!„) für Fimen in Zukunft sogar riskanter wäre, Männer einzustellen als Frauen: schließlich können auch Mittfünfziger noch Kinder zeugen und monatelang zuhause bleiben. Und das wäre nun wirklich unerhört.