Der ultimative Weihnachtsvergleich: Kind vs. Kopfhörer

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Wer stand nicht schon mal vor der Überlegung: was ist nun eigentlich besser, Konsum(objekte) oder Kind(er)? Da der Weihnachtsmann dieses Jahr beides vor unsere Tür gelegt hat, bin ich in der glücklichen Lage, einen total objektiven Essay zu diesem Sachverhalt verfassen zu können. Testobjekte: ein Kopfhörer, der Beyerdynamic T70p und Jula, 5 Monate alt. Die Vergleichskriterien sind hoffentlich hinreichend allgemein, um Vergleichbarkeit sicherzustellen.

Unboxing: In der schlichten Ledertransporttasche kommt der T70p daher. Routiniert eingepackt von Beyerdynamic, den alten Bauhaus-Fans, wenn auch kein Augenöffner. Bei so einem Kind gestaltet sich das Unboxing natürlich deutlich chaotischer: es bringt einiges Geschrei und Gewusel im Kreissaal mit sich, bleibt aber auch deutlich prägnanter in der Erinnerung als das Kopfhörerauspacken. Sieg für Jula: 2:1.

Breitbandigkeit, Frequenzgang, Dynamik: Eigentlich die Königsdisziplin des T70p, sollte man meinen. Weit gefehlt: zwar hat der Beyer einen Frequenzgang von 5-40.000 Hertz und kann an einem entsperrten Ipod durchaus das Gehör ruinieren. In Jula findet der T70p allerdings seinen Meister: gegen die brachiale Dynamik einer Babykehle kann der Kopfhörer nichts ausrichten, übergangslos wird beispielsweise aus dem brabbelnden Bäuerchen-Kind auf der Schulter das Trommelfell-zerschneidende Quiek-und Schrei-Baby. Das Ohr dankt’s mit kurzem Tinnitus. Überraschung: 1:0 für Jula.

User Experience / Interface: An Einfachheit ist der T70p nicht zu überbieten – Ohrwascheln, Kabel zum Einstöpseln, fertig, das verstehen sogar Männer. Im Vergleich dazu ist das Kind etwas sphinxhafter und nicht so leicht auszurechnen: steckt hinter der skeptisch gefurchten Stirn nun allgemeines Unwohlsein, Hunger, oder höherer Unfug? Wie muss ich dieses Kind bedienen? Ein Unentschieden sichert sich Jula schließlich doch durch die deutlich größere Vielfalt und Ausdruckskraft ihres Gesichts-Interfaces und ihre schnellen,. ausgeprägten Reaktionen auf Fehlbedienungen. Unentschieden: 1:1.

Upgradeability & Zukunftssicherheit: Hier muss der T70p passen: Er ist einfach wie er ist, kaum verlässt er das Werkstor in Heilbronn, hat es sich erledigt mit der Weiterentwicklung – in 20 Jahren wollen nur noch Traditionalisten und Ewiggestrige etwas mit ihm zu tun haben. Kinder hingegen sollen Gerüchten zufolge später tatsächlich mal selbständig aufs Klo gehen, reden und ihr Taschengeld für Unsinn ausgeben und für Aktion Sühnezeichen nach Israel gehen (macht man das heute noch?). 1:0 für Jula.

Verarbeitungs- & Anfaßqualität: Ein schwieriges Kriterium. Denn auch Anorganisches wie etwa aus dem Vollen gefrästes Alu am T70p kann echten haptischen Reiz ausstrahlen, erst recht, wenn es so sauber verarbeitet ist wie beim Beyer und sich mit fast, äh, babysanften Ohrpolstern verbindet. Das organische, stark auf Kohlenstoffverbindungen basierende Material Julas legt den Schwerpunkt eher auf Weichheit und Kuscheligkeit, ohne die langfristige Haltbarkeit aus den Augen zu verlieren. Da so ein Baby nicht zuletzt für die Frauenwelt in puncto Hautqualität das Nonplusultra darstellt, heißt es am Ende:  knapper Sieg für Jula: 2:1.

Umtausch / Verfügbarkeit / Lieferzeit: There’s no sugarcoating it: während der T70p online überall erhältlich ist und in 1-2 Tagen zuhause eintrudeln kann, wird ein Kind nur on demand fabriziert – mit 9 Monaten werden die Wartezeiten der PKW-Welt vom Kind ganz locker überboten. Hinzu kommt: ein nennenswerter Gebrauchtmarkt für Kinder existiert nicht bzw. die Wartezeiten sind nur unwesentlich kürzer als bei der Selbstfabrikation: 1:0 für den T70p.

Haben-Wollen- / Statusfaktor: Während so ein Kopfhörer v.a. bei audiophilen, männlichen Nerds durchaus Neidgefühle schüren kann, erstaunt das Kind andererseits mit seiner Fähigkeit, auch bisherige Kinder-Indifferente oder sogar Kinder-Ablehner mit einem zahnlosen Grinsen zum Kinder-Affinen konvertieren zu können. Ein Unentschieden: 1:1.

Preisleistungsverhältnis: Noch so ein schwieriges Kriterium – der Kopfhörer schlägt sich beachtlich und punktet nicht zuletzt durch seinen Wiederverkaufswert. Kinder hingegen fressen einem das letzte Hemd vom Leib, und wo der Volksmund so hart urteilt, hat er meistens auch recht. Andererseits, als Soziologe gesprochen: so ein einigermaßen gut ausgebildetes Kind zahlt ja auch später viele Steuern und kann dem Vater dann den neuen Computer erklären. Passt schon – 1:1.

Gesamtergebnis: 9:6 – Kind schlägt Konsum – wobei man auch sagen könnte: Kind und Konsum, das wäre fein. Sachdienliche Hinweise, wie man das hinbekommt, bitte an den Blogbetreiber. In diesem Sinne frohes Fest und guten Rutsch!