„Funktionsgetränke mit echtem Mehrwert“ – wenn das Briefing als Werbebotschaft ausreicht…

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Rosbacher gehört – neben Gerolsteiner – seit langem zu meinen „Lieblingswässern“, obwohl ich den Markenbotschafter Michael Schumacher mit all seiner langweiligen Effizienz noch nie wirklich leiden konnte. Ich fand es auch relativ eingängig und für Mineralwasserverhältnisse elegant, wie die Sport- und Mineralienverrückten unter den Konsumenten angesprochen wurden: „2:1 für deinen Körper“, das verstand sogar ich – Schluss mit Muskelkrampf beim Langstreckenlauf, eben „ideales Verhältnis von Magnesium und Calcium„.

Doch was sah ich neulich, erst in Plakatform (ich war zu baff, um ein Foto davon zu machen) und nun auch auf der Homepage? Es gibt was Neues von Rosbacher, und zwar „Funktionsgetränke mit echtem Mehrwert“.

 

Sorry, das verstehe ich nicht mehr: die beiden Getränke heißen „aktiv“ und „mental“, was ich assoziativ noch einigermaßen nachvollziehen kann, aber was ist ein „Funktionsgetränk“? Kann ich die Flasche auch als Schraubenbehälter im Hobbykeller weiterverwenden? Und was ist „Mehrwert“? Verzinst sich etwa das Pfand, so dass ich nach 3 Jahren Lagerung pro Flasche 75 statt 25ct zurückbekomme?

Ich kenne natürlich weder das Rosbacher-Marketing noch deren Agentur – aber irgendwie scheint sich in deren Zusammenspiel der Konsens gebildet zu haben, die breite Öffentlichkeit sei mittlerweile reif für ungefilterten Marketingspeak, und es sei nicht mehr notwendig, einen Produktnutzen irgendwie kreativ zu verklausulieren. Das vereinfacht natürlich einiges und passt in den Meinungstrend, dass „die Kreativen“ langsam überflüssig werden. Gerade letzte Woche wurde z.B. Sir Martin Sorrell (über mehrere Ecken als Boss der Holding WPP auch mein „Chef„) hier kritisiert, dass bei WPP die Medien-Bucher und die Accounter mehr zählen als die Kreativen. Nun, wenn ich mir die Rosbacher-Werbung so ansehe, muss ich sagen: ich kann nicht gerade erkennen, dass die „Kreativagenturen“ großen Widerstand leisten.

Uns Verbraucher stehen goldene Zeiten bevor. Wie wäre es z.B. für einen Apfelsaft mit regionalen Obstsorten (Hohes C? Possmann? Interesse?) mit folgendem Claim: „Maßgeschneiderte Geschmackslösungen für die Konsumenten in der Region“? (Symrise) Oder für den jeweils neuen Mini: „Die unkonventionelle Premium-Mobilitätslösung im B-Segment“? Oh, die Möglichkeiten des Marketingspeak sind unendlich…