Knapp daneben ist auch vorbei (Wohnungsgeschichten Teil II)

Wer den 1. Beitrag aus der Reihe „Wohnungsgeschichten“ gelesen hat, wird verstehen, warum wir uns bei der Wohnungssuche nicht mehr nur auf Makler verlassen wollen. Wir haben also ganz klassisch in der Frankfurter Rundschau (und deren Online-Ableger kalaydo.de) ein Wohnungsgesuch geschaltet, um z.B. noch nicht auf dem Markt angekommene Wohnungen abzugreifen, die von Vermietern gerade renoviert werden. Darin formulierten wir klare Anforderungen, wie man sie halt als gentrifizierter Kaukasier so hat: meine Frau und ich sind beide groß gewachsen, wollen also Altbau, 80qm mindestens, und zwar in Frankfurt Bornheim, Nordend oder Sachsenhausen. Punkt.

Dreimal darf man jetzt raten, mit welchen Angeboten wir bisher konfrontiert wurden. Read More

Die Schockstarre im Angesicht der Katastrophe

Danke an WikimediaIn diesen Tagen entdecke ich Gert Hofstede wieder, den Kulturforscher, der so gut wie alle Weltkulturen durch seinen SPSS-Rechner gejagt und verglichen hat. Seine Dimensionen wie „long term orientation“, „masculinity“, „power distance“ (= Toleranz gegenüber ungleich verteilter Macht), „invidualism“ und „uncertainty avoidance“ (= Abneigung gegen unstrukturierte Situationen) sind ziemlich aufschlußreich und können so manches Verhalten in anderen Ländern mit anderen Sitten erklären. Schweden fahren zum Beispiel sehr defensiv Auto – weil sie weniger „Machismo“ haben.

Was Japan angeht, so ist das Handling des Reaktor-GAUs in Fukoshima ein Musterbeispiel für die Schattenseiten von Maskulinität, Unsicherheitsvermeidung und gering ausgeprägtem Individualismus: drei in Japan überdurchschnittlich stark ausgeprägte Dimensionen. Konkret läuft das dann so: viele Angestellte von Tepco und in der Regierung ahnen, dass im AKW was nicht richtig läuft, aber kaum jemand macht den Mund auf, erst recht nicht im Beisein von ranghöheren Alpha- oder Beta-Männchen, und die Oberverantwortlichen bei Tepco und in der Regierung sind wie gelähmt – denn in der Katastrophe lösen sich alle Sicherheiten in Luft auf, und die plötzliche Eigenverantwortung wird als Lähmung, nicht als Herausforderung erlebt. Eine Störung in der atomaren Bento-Box, wenn man so will.

Wen es interessiert: Deutschland ist kulturell etwas besser aufgestellt, aber nicht viel – Skandinavien wäre für mich die Katastrophen-Benchmark.

 

 

The crash that wasn’t

Während die allermeisten infolge des japanischen Bebens von weltweitem Aktiencrash reden, sind einige schon weiter, wie etwa Weissgarnix: Die Auswirkungen können genaugenommen sogar ziemlich positiv sein. Japan hat die Chance sich aus der Deflation herauszuarbeiten, deutsche Maschinenbauer haben tolle Exportaussichten, und die irre Sparquote in Japan wird etwas heruntergefahren werden. Da Japan mittlerweile wie der Rest der Welt die Produktion von Basics gerne in China abwickelt, muss auch niemand befürchten, vom Nachschub nach Wiis und Playstations abgeschnitten zu werden. Die Börsenreaktion gibt Weissgarnix recht: von Crash nichts zu sehen. Gut, in Japan geht es einigen Werten an den Kragen, aber wir erinnern uns: eine Toyota kann auch mal 10% fallen, wenn irgendwo angeblich ein Gaspedal klemmt.

Kleiner Haken an der Positivgeschichte: es darf halt keine Plutoniumwolke über Tokio schweben. Aber da bin ich mittlerweile skeptisch. Wenn beispielsweise der Mainova Entstördienst für die Beseitigung eines vergleichbaren Szenarios verantwortlich wäre, würde ich alle Siebensachen zusammenpacken und Frankfurt möglichst schnell möglichst weit hinter mir lassen.

 

Die 2011er-Ernte an Wahlplakaten ist da

In Frankfurt tobt wieder sowas von der regionale Wahlkampf. Alle, wirklich alle Parteien schicken ihre besten Texter und Grafiker an die Plakatfront und (Ironie on) die SPD hat wieder ein echtes Händchen für gute Visuals bewiesen (Ironie off). So wie dieses hier: die Bildaussage liegt auf der Hand – Chancengleichheit ist, wenn Frauen selbst herausfinden können, ob ihr Mann zeugungsunfähig ist.

 

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Atom-Heuchelei

Die Berichterstattung über das Drama in den japanischen Fukushima-Reaktoren erreicht hysterische Ausmaße. Wie immer ganz vorne ist Spiegel Online mit der Headline „Japan erlebt eine nukleare Katastrophe„. In Foren vermehren sich die erhobenen Zeigefinger exponentiell. Japan wird geraten, jetzt aber schleunigst auf andere Energiequellen umzusteigen, wie könne man nur so blöd sein im Erdbebengebiet AKW zu bauen usw usf.

Ich denke, die Japaner haben ganz bewußt auf AKW gesetzt (im Wissen um das Risiko), und ich glaube auch, dass es ihr gutes Recht ist, alle 100-200 Jahre Teile ihrer eigenen Insel (Stichpunkt nationale Souveränität) atomar zu verseuchen, solange es ihre Energieautonomie sichert und der Dreck nicht den ganzen Pazifikraum versucht. In Europa liegt der Fall anders: viele AKW hier sind vom verbauten Reaktortyp her im Gegensatz zum japanischen Druckwasserreaktor im Falle einer Kernschmelze echte Dreckschleudern, die ihre Strahlung je nach Windrichtung schön über ganz Europa verteilen würden. Wenn wir also schon rummeckern wollen, dann doch bitte über die Lage vor der eigenen Haustür, gerne auch über russische Atom-Uboote, die Reaktoren im Problemfall gerne mal im Meer… „ablassen“ – aber lasst uns bitte die Japaner in Ruhe lassen.

UPDATE 12:01, 12.03.: Wenn die Apokalyptiker im Gelben Forum Recht behalten (= weltweiter Fallout trotz „sicherem“ Druckwasserreaktor) ist mein obiger Kommentar zur Lage natürlich total hinfällig.

UPDATE 10:13, 13.03.; Lübberding und Hütt machen bei Weissgarnix einen interessanten Punkt: sollte Tokio verstrahlt werden, hätte das für die Weltwirtschaft verheerende Folgen. So gesehen gibt es heute keinen Inselstaat Japan mehr, der sich souverän verstrahlen darf… sondern nur noch tiefe globale Vernetzung. „Too big to strahl“, wenn man so will.

Das Schweigen der Makler

Wohnungssuche – es gibt wenige Menschen, die bei diesem Stichwort in Jubelstürme ausbrechen oder Vorfreude empfinden: wer hat schon Lust auf Umzug, zerbrochene Teller, dank ausgeleierter Scharniere nicht wiederaufbaufähige IKEA-Möbel oder gar die Renovierung einer Wohnung? Klar – das kann man alles „outsourcen“ und „subkontrakten“, dann wird es angehmer.

So wie das eigentlich auch mal mit dem Berufsstand der Makler gedacht war: der Makler kriegt Geld und besorgt einem dafür eine Wohnung. Irgendwie ist in dem Metier allerdings der Wurm drin. Read More

Gebildet und dennoch überflüssig?

Eine schöne kleine Schauergeschichte für Bildungsbürger & Gebildete geistert zur Zeit durch die Blogosphäre: Paul Krugman & Co rufen nämlich den Nachfragenotstand nach „brains“ aus. Die sehr überzeugende Story geht so: Read More

Hätte eine Fokusgruppe Apples „1984“ radikal abgeschossen?

Ein lustiges Video, das (schlecht gemachte) qualitative Forschung auf die Schippe nimmt.

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